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Perlenfischerei und Perlmutterverarbeitung in Adorf

Die Venetianer sollen es gewesen sein, die im 13./14. Jahrhundert ins Vogtland kamen und die klaren Wasser der Elster nach Perlmuscheln absuchten. Damals gab es reiche Vorkommen, die Perlenfischerei war frei. Einer der ersten überlieferten Funde einer Elsterperle datiert auf das Jahr 1566 durch einen Bauern. Ein Jahr später, im Jahr 1567 dann ließ Kurfürst August von Sachsen die Perlenfischerei zum Hoheitsrecht des Landesherren erklären. Eigens eingesetzte Perlenfischer hatten für Pflege des Bestandes und Ablieferung aller Perlen zu sorgen. Zum sächsischen Kronschatz gehörte 1805 eine Kette aus Elsterperlen, die heute noch im Grünen Gewölbe in Dresden aufbewahrt wird. Ende des 18. Jahrhunderts setzte ein starker Rückgang der Bestände ein - insbesondere bedingt durch zunehmende Verunreinigung des Flusses. Dennoch wurde die Perlenfischerei und Perlmutterverarbeitung bis ins 20. Jahrhundert hinein betrieben. Die Bestände schwankten, doch so sind noch 1937 allein im Unterlauf des Tetterweinbaches 5.000-6.000 Muscheln gezählt worden. Doch schon 1958 fand man nur noch 19 Muscheln und 1960 gar keine mehr (J. Lenk "Adorf im Vogtland").

Für seine Perlmutterwarenfabrikation wurde Adorf in der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Ein Nachfahre des kurfürstlichen Perlenfischers Schmerler begann in Oelsnitz mit dem Schleifen von Muschelschalen. In Adorf fand er mit den Instrumentenklappenmachern Ernst und Christian Schmalfuß und dem Buchbinder Friedrich August Schmidt kreative Partner. Die erste "Muschlerei" in Adorf wurde 1854 gegründet. Zehn Jahre später beschäftigte die Firma F.A. Schmidt bereits 18-20 Arbeiter. 1868 gab es in Adorf dann drei bis vier Betriebe, die über 100 Arbeiter beschäftigten, Mitte der 1870er Jahre waren es mehr als 600; zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa 1.000. Adorf hatte sich zu einem Zentrum der Perlmutterwarenverarbeitung in Deutschland entwickelt.

Aus den geschliffenen Muschelschalen wurden die verschiedensten Dinge gefertigt: Broschen, Ohrringe, Geldbörsen, Andenken, Feuerzeuge, Geschenkartikel ... Schon bald reichte die Rohware aus der Weißen Elster und den Nebenbächen nicht mehr aus, es wurden zusätzlich Muscheln aus den Perlbächen Oberfrankens, Nordbayerns, des Böhmerwaldes und Württembergs eingeführt und verarbeitet. Außerdem wurden tropische Seeperlmuscheln importiert. Aufgrund wachsender ausländischer Konkurrenz ging die Produktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark zurück. In den 1940er waren noch etwa 100 Arbeiter in diesem Zweig beschäftigt. Die Perlenfischerei war 1927 eingestellt worden.

Heute ist die Flussperlmuschel, von der es noch vereinzelte kleine Bestände in verschiedenen Nebenflüssen der Weißen Elster und in einigen oberfränkischen Bächen gibt, streng geschützt. Viele wissenswerte Details rund um die Flussperlmuschel erfahren Sie in unserem Perlmutter- und Heimatmuseum, welches die größte museale Perlmuttersammlung Deutschlands beheimatet.

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